Sarah Toumi: Die Superheldin

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Mit neun Jahren legte Sarah Toumi den Beruf ihres Lebens fest: „ich werde Superheldin“. Die Entscheidung kam, nachdem das Mädchen, das in Frankreich aufwuchs, die Sommerferien im Heimatland ihres Vaters verbracht hatte: Bir Salah, in Tunesien. Als Enkelin von Großeltern, die Landwirte waren, konnte Sarah mit ländlichen Erzeugern zusammen leben und in diesen Ferien Hausaufgaben Clubs mit den Kindern vor Ort organisieren. Aus dieser Erfahrung heraus gelang ihr auch eine Spende von 300 Tausend Büchern aus Frankreich für ländliche Gemeinden in Tunesien.

Von da an wuchs Sarah mit dem Blick nach Nordafrika auf. Nicht nur auf seine kulturellen Schönheiten, sondern auch auf die Dürren und Wüstenbildung, welche die ländlichen Gegenden, aus welchen ihr Vater und die Großeltern stammten, zerstörten. „Ich sah wie die Bauern ihr Land verloren und die Wüste unaufhaltsam wuchs. In zehn Jahren wurden die Landwirte von reich zu arm und verarmen jedes Jahr mehr.

In den letzten Jahren fiel der durchschnittliche Niederschlag drastisch ab und die Dürren nahmen zu. Dies führte dazu, dass das Land 75% seiner landwirtschaftlichen Nutzflächen verlor, die heute als Wüste angesehen werden. Aber Sarah sieht die extremen klimatischen Auswirkungen in Tunesien nicht als ein Desaster. Sie sieht neue Möglichkeiten. „Die klimatischen Veränderungen erfordern einen Wandel in der landwirtschaftlichen Praxis. Weniger Nutzflächen können noch immer gute finanzielle Erträge bringen, wenn die Landwirte sich anzupassen wissen. Zum Beispiel, indem sie nachhaltigere Kulturen anbauen, Technologien zur Wasseraufbereitung nutzen und sich auf natürliche Dünger an Stelle von Pestiziden konzentrieren.

Mit all diesem Wissen gab ihr 2012 das Leben den nötigen Schubs um ins Tun zu kommen. „Mein Vater starb und ich merkte, dass ich zwischen meinen Ängsten und meinen Erwartungen wählen musste. Ich beschloss, zu der Superheldin zu werden, die ich immer sein wollte, und mein Leben dem Leben anderer zu widmen.“ So packte Sarah die Koffer und zog endgültig nach Tunesien, wo sie die NGO „Acacias for All“ (Akazien für alle) erschuf. Sarah hilft Landwirten der Subregion des arabischen Maghreb, sich in Kooperativen zu organisieren und nachhaltige Anbautechniken aufzunehmen.

sarahiiUm die Landwirte der Region zu überzeugen, ihre Anbauweise zu ändern, begann Sarah, mit einer ländlichen Gemeinde von Frauen zu arbeiten. „Die Frauen stellen einen starken Zutrittspunkt zum landwirtschaftlichen Sektor dar, da sie Veränderungen gegenüber aufgeschlossener sind“. In „Acacias for All“ stellt Sarah landwirtschaftlichen Produzenten Akazienpflanzen zur Verfügung. „Die Akazie ist ein Baum, der für seine langen Wurzeln bekannt ist, die bis zu 100 Meter in den Untergrund wachsen, den Boden mit Stickstoff versorgen und Wasser an die Oberfläche bringen“, erklärt sie. Mit den Akazienbäumen hilft Sarah den landwirtschaftlichen Produzentinnen, mit dem Wasser der Bäume zu bewässern und hilft ihnen gleichzeitig, natürliche und nachhaltige Anbautechniken einzuführen. Bis heute hat Sarahs Projekt bereits 483 Frauen in Tunesien erreicht. Daneben organisiert die NGO Trainings über Permakultur und Unternehmertum in Partnerschaft mit Universitätsstudenten der Region.

Für die Zukunft will Sarah die Projekte der „Acacias for All“ nach Marokko und Algerien ausweiten, denn diese Länder erleben ähnliche Herausforderungen wie Tunesien. „Mein Ziel ist es, 10 Millionen Bauern in 100 Tausend Kooperativen einzubeziehen“. Außerdem sieht Sarah es vor, ihr Arbeitsmodell und ihre Arbeitstechniken online zur Verfügung zu stellen, um die Informationen und das Wissen für alle öffentlich zugänglich zu machen.

„Wenn ich nicht nach Tunesien gezogen wäre und meinen Traum realisiert hätte, wer hätte es dann getan?“, fragt Sarah, die den Jugendlichen in den ländlichen Gebieten zeigen will, dass es in Ordnung ist, zu bleiben wo sie sind, und dass sie sich selbst Möglichkeiten erschaffen können. „Niemand versteht die Auswirkungen der Wüstenbildung und des Klimawandels besser als die Menschen, die ohne Zugang zu Wasser leben“.

Sarah’s Vater brachte ihr bei, immer ihren Träumen zu folgen, und sie niemals aufzugeben. Und dies ist es, was Sarah sucht. Indem sie ländlichen Gemeinden hilft und den Beruf ausübt, den sie wählte, als sie Tunesien zum ersten Mal betrat: eine Superheldin zu werden.

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